



Category Archives: editorial
Clash of the Titans
I did a short live comics battle recently with colleague Nix at the university of Ghent to finally decide who is the greatest Russian novelist of all time. The result was a draw.

PZ at the printer’s!



The Fox Hunt
A limited edition 3l bottle of my hometown beer “Gouden Carolus”. I got the idea for the drawing from an ancient chronicle which stated that the beer was particularly enjoyed during the fox hunt, because it put the hunters and the horses (?) in a good mood. It didn’t say anything about the foxes though, so I took a little artistic liberty there

Junker, First Blood
Ghost Hunters

In stores now: Ghost hunters by SmartGames, a puzzle game for which I did the graphics.
6ÈME SALON INTERNATIONAL DU ROMAN GRAPHIQUE HAMBURG

I’ll be attending the salon international du roman graphique at the Institut français de Hambourg, Heimhuder Straße 55, 20148 Hamburg, 28/09, 19h. Better hop in my chicken legged cabin if I want to get there in time.
More info here.

Pflichtlektüre in Strapazin
Rock!

Junker in Süddeutsche Zeitung and Der Tagesspiegel
Besprechung von 08.06.2016
Simon Spruyts Comic „Junker“ erzählt vom Untergang einer Welt
Zum Schloss der von Schlitts führt eine prachtvolle Lindenallee. Hier wird nicht einfach gewohnt, hier wird residiert. Die Vorfahren, wackere Ordensritter, haben die Setzlinge einst selbst gepflanzt – so erzählt es zumindest der Vater seinen Söhnen Oswald und Ludwig. In Wahrheit aber sind die Bäume ausgewachsen aus Schlesien angekarrt worden, als vor einigen Jahrzehnten hochadeliger Besuch anstand.
Eine kleine Lüge, gewiss, aber eine, die schon am Anfang andeutet: Es ist etwas faul im Staate Preußen. Die Fin de Siècle-Welt, in der „Junker“ spielt, lebt im Modus des Noch; die Zeichen dafür, dass ihr Untergang bevorsteht, sind unverkennbar. Die von Schlitts haben die meisten ihrer Ländereien verpachtet, im Stammsitz bewohnen sie nur noch ein paar Zimmer, und das Personal ist auf ein treues Dienstmädchen geschrumpft. Im entfesselten Kapitalismus der Gründerzeit gerät die Aristokratie ins ökonomische Abseits. „Das einzige, was uns bleiben wird, ist die wirtschaftliche Moral“, giftet Frau von Schlitt in hilflosem Zorn: „Das Geld als einziger Maßstab sozialer Differenzierung und die Monotonie der barbarischen Horde.“
Auch der Krieg ist nicht mehr das, was er einmal war. Herr von Schlitt hat in ihm 1870 sein linkes Bein verloren. In der berühmten Schlacht von Mars-la-Tour ritten deutsche Kavalleristen gegen französische MG-Schützen eine Attacke, die selbstmörderisch war, ob ihres Erfolges aber zum Mythos und zum Beleg für die weitere Gültigkeit tradierter Militärstrategie verklärt wurde. Aber waren damals wirklich nur Tapferkeit und Willenskraft ausschlaggebend? War nicht vielleicht Glück im Spiel?
Diese ketzerischen Fragen stellt sich zumindest Ludwig, der, wie sein älterer Bruder, noch als halbes Kind in eine Kadettenanstalt gepackt wird. Daran, wie die Männer seiner Familie vor ihm, zu Pferde zu kämpfen, hat er kein besonderes Interesse. Ihn fasziniert, so empfindsam er auch ist, gerade die neue, technisierte Art des Tötens. Zunächst schwärmt er für die „Nassau“, das erste moderne deutsche Schlachtschiff, dann für das „Maxim“-Maschinengewehr, dessen Handhabung eines Tages Teil seiner Ausbildung wird. Bald kennt Ludwig es in- und auswendig; es wird für ihn zu einer Art Freund, mit dem ihm eine nahezu erotische Beziehung verbindet.
„Ein preussischer Blues“ – der Untertitel dieses Comics klingt etwas gewollt. Aber er ergibt in doppelter Hinsicht einen Sinn. Einerseits hat die lakonische, sprunghafte Art, in der hier von Niedergang und Tod, von Einsamkeit und zwischenmenschlicher Kälte erzählt wird, in der Tat etwas anrührend Liedhaftes. Andererseits steckt im Blues eine Anspielung auf das Preußisch Blau. Der satte Ton dieser Farbe ist in den skizzenhaften Aquarellbildern von „Junker“ allerdings bezeichnenderweise nicht präsent; sie sind durchweg in Abstufungen von Graublau und Weiß gehalten. Manchmal sind nur Silhouetten zu sehen; dann wirkt es, als würde man Szenen in einem Schattentheater oder Erscheinungen in dichtem Nebel betrachten.
„Junker“ ist nicht der erste Comic des 1978 in Belgien geborenen Simon Spruyt. Der Zeichner ist schon seit über zehn Jahren aktiv; allerdings ist keines seiner bisherigen Werke ins Deutsche übersetzt worden. In der imaginären Autobiografie „Sgf“ und dem Zweiteiler „De Furox“ über einen Drachen, der zu Anfang der NS-Zeit lebt, hat Spruyt eine starke Affinität zum Grotesken gezeigt. In „Junker“ ist diese weit weniger ausgeprägt, aber nicht ganz verschwunden, etwa wenn die todkranke Frau von Schlitt einer Gestalt aus einem Horrorfilm gleicht oder wenn Ludwig eine Ente, die er geschossen hat, laut schimpfend und riesengroß im Traum erscheint.
CHRISTOPH HAAS
Der Tagesspiegel: here
And from the jury of the Max und Moritzpreis:
“Die Geschichte einer preußischen Kleinadelsfamilie am Vorabend des Ersten Weltkriegs ist kein Thema, das Leser in Scharen in die Buchhandlungen treibt. Das könnte sich mit Simon Spruyts „Junker“ ändern, ein Comic, der mit erzählerisch-bildnerischem Witz und Können eine vergangene Zeit beschwört. Den 1978 geborenen Belgier Spruyt scheint biografisch recht wenig mit seinem Thema zu verbinden, die Stimmung eines langsamen Untergangs, begleitet von den überholten Weltbildern einer sich überholenden Ära, trifft er allerdings genau. Joseph Roth lässt grüßen, ein wenig auch Thomas Mann (und wer weiß, welcher Dichter noch) – es sind literarische Räume, die sich hier in eine bemerkenswert ökonomische, immer wieder überraschende Bilderwelt übersetzen. Es gibt hier (auch) was zu lernen und noch viel mehr zu genießen.”

